
Ansatzschnäpse, Heilschnäpse und Wurzelbrände
Ansatzschnäpse, Heilschnäpse und Wurzelbrände.
Das ist eine Form des Erhaltens und Verbesserns der Gesundheit, die heute fast komplett in Vergessenheit geraten ist.
In den Alpenländern war medizinische Versorgung lange, bis in die 50er Jahre, nicht leicht zu bekommen. Daher mussten die Menschen selbst für ihre Gesundheit sorgen. So entstand über die Jahrhunderte in Österreich, eine sehr vielfältige Volksheilkunde. Verwendet wurden vor allem Kräuter und Pflanzen, die wild im Alpenraum gedeihen wie zum Beispiel Wacholder, Arnika oder Enzian. Die Idee Obst und Kräuter mit Wasser zu vermaischen und anschließend zu brennen, geht schon auf die Babylonier 5000 v Chr. zurück.
Im Mittelalter wurden besonders gern Ansatzschnäpse oder Kräuterweine zur Behandlung von Krankheiten hergestellt. Eine Methode, die heute noch oft angewandt wird, denn die ätherischen Öle in den verschiedenen Heilkräutern lösen sich nicht in Wasser, aber sehr wohl in Alkohol. Daher verabreichte Hildegard von Bingen viele Heilkräuter, wie die Petersilie, stets in Wein. Aber auch Blüten wurden in dieser Zeit gern zu Heilschnäpsen verarbeitet wie heute noch bei Walter Kölbls Lindenblütenschnaps oder bei Artner der Arnikaansatz.

Das Brennen war auch eine Art vor allem Obst haltbar zu machen. Der Rumtopf war dafür ein besonders gutes Beispiel. Das letzte reife Obst, besonders wenn es zu wenig war um Marmelade daraus zu machen, wurde in den Steingutrumtopf eingelegt und so füllte sich der Topf das Jahr über mit den verschiedensten Obstarten, die man den ganzen Winter hindurch essen konnte.
Da besonders in den hochgelegenen Alpentälern nicht mehr viel Obst reif wird, wich man schnell auf Kräuter und besonders Wurzeln aus. Ein besonders bekanntes Produkt ist hier der gelbe Enzian, der ja aus der Wurzel dieser Pflanze gebrannt wird. Diese Pflanze steht seit 1960 in Österreich unter Naturschutz, es gibt aber einige Sammellizenzen, um diesen Schnaps weiter herstellen zu können. Da man heute viel mehr Wert auf runden Geschmack und nicht auf Stärke und Klarheit legt, wird die Enzianwurzel bei Mannas Spirits Manufaktur gemeinsam mit Äpfeln gebrannt, eben eine moderne Version des uralten Enzianschnapses.
Auch die Früchte der Nadelbäume wollte man nutzen. Wie im Wacholder von Edenbauer Edelbrände. Die ätherischen Öle der Zapfen und Sprossen sind besonders bei Schnupfen und Husten beliebt. Daraus entstand das speziell in der Steiermark berühmte Zirberl, ein Ansatzschnaps oder Likör, wie der von Maurer’s Fruchtmanufaktur. Das „Zirberl“ wurde auf der AB HOF Messe in Wieselburg 2024 mit Gold ausgezeichnet.

Viele Produkte der Volksmedizin wurden durch wissenschaftlich erforschte und kontrollierte Medikamente ersetzt, aber vieles hat sich als gesundheitsfördernd gehalten. Besonders die verschiedenen Arten des Magenbitters sind nach wie vor bekannt und beliebt. Durch die bekannte österreichische Kräuterfrau Maria Treben, die in ihrem Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ besonders den Schwedenbitter lobte, kam dieser zu weltweiter Bekanntheit im 20. Jahrhundert. So blieb der Gebrauch von besonders bitteren Kräutern erhalten, zum Beispiel in der „Kräutl Goaß“, dem kräftige Kräuterlikör aus dem Hause Mannas Spirits Manufaktur .
Edelbrände kann man aber aus vielerlei machen. Die Mayer Granitdestillerie brennt zum Beispiel Rosskastanien, welche viel Stärke beinhalten und nur deshalb nicht von uns gegessen werden, weil sie so bitter schmecken. Beim Brennen geht viel von der Bitterkeit verloren und zurück bleibt ein würziger, krautiger Geschmack. Eine besondere Spezialität zum Ausprobieren.
