Herbstzeit ist Kürbiszeit!

Der Kürbis ist sowohl in Eurasien und als auch in Südamerika heimisch. Bei uns in Mitteleuropa ist er als Erbe der römischen Besatzer seit der Zeit der Völkerwanderung zwischen 375 – 568 bekannt. Er wurde als Heil und als Nutzpflanze für Gefäße benutzt und von Kaiser Karl in seinen Capitulare de villis in der Pflanzliste geführt. In den Kräuterbüchern des 16.Jhr. werden immer mehr Sorten erwähnt, beschrieben und vermutlich auch in der Steiermark, die ja heute als Hot Spot der Kürbisproduktion gilt, angebaut. Hieronymus Bock erwähnt in seinem Kräuterbuch von 1546, dass der Samen des Kürbisses wie Mandeln verarbeitet werden kann. In Gebieten wie der Steiermark in denen Öl selten waren und hauptsächlich aus Leinsamen, Walnuss oder Mohn gepresst werden konnte, lag es daher nahe Kürbiskerne zu verwenden.  Der erste schriftliche Nachweis des Kürbisanbaus in der Steiermark ist vermutlich das Hofübergabedokument aus Ettendorf von 1735, bei dem eine Ölpresse aufgelistet ist. Allerdings sind wir da noch meilenweit vom heutigen „schalenlosen“ steirischen Ölkürbis entfernt.  Die Kerne mussten „gehäppelt“ also geschält werden, eine mühsame, zeitaufwendige Arbeit. Wann genau der Ölkürbis in der Steiermark spontan mutiert ist, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber aus den Statistiken, dass ab 1874 jährlich 2370 ha angebaut wurden und vermutlich fällt die Kultivierung des „langtriebigen steirischen Ölkürbisses“ genau in diese Zeit. Der Ölkürbis wird erst spät geerntet, wenn seine Kerne reif sind und das Fleisch nicht mehr verwendbar ist.

Als Speisekürbis wird heute meist nur der Südamerikanische Kürbis (auch Muskatkürbis genannt) verwendet. Besonders beliebt ist bei uns der Hokkaidokürbis, eine Sorte die ursprünglich aus Nordamerika nach Japan gebracht wurde und im rauen Klima der Nördlichsten Insel Japans Hokkaido reiche Ernte brachte. Da das Klima dort dem Klima im Alpenraum ähnlich ist, wurde er auch bei uns heimisch. Er ist ein beliebter Ofenkürbis und sogar seine Schale kann mitgegessen werden. Er schmeckt leicht nussig, erinnert an Maroni und kann sogar roh gegessen werden.

Für Suppen, die steirische Kürbissuppe ist ja ein herbstlicher Klassiker, werden Muskatkürbisse, zum Beispiel der Butternusskürbis verwendet.  Er ist süßlicher und schmeckt je nach Sorte mehr oder nur leicht nach Muskatnuss.

Spannend und immer öfter zu finden ist der Spaghettikürbis. Er ist außen creme- bis gelbfärbig, und sein Fruchtfleisch ist so fasrig , dass es wie Spaghettinudeln aussieht. Er wird meist überbacken serviert.

Bei unseren südlichen Nachbarn in Italien werden Ravioli mit Kürbis, meist mit dem Bischofsmützen Kürbis gefüllt. In Slowenien hingegen isst man der Kürbis gerne süß, als Kuchen oder Marmelade. All diese verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des Kürbisses werden auch von unseren Direktvermarktern angewendet.

Obwohl der Kürbis extrem lagerfähig ist, wird er gerne eingelegt. Wenn man große Speisekürbisse haben möchte, muss man viele Kürbisse entfernen, wenn sie noch ganz klein sind. Diese werden dann als Kürbiskronen, ein echtes „no waste“ Produkt, eingelegt und schmecken hervorragend zur „Brett’ljaus’n.

Auch mit anderen Gemüsen eingelegt oder fermentiert schmeckt der Kürbis das ganze Jahr über.

 

Erzähle uns, was dein aussergewöhnlichstes Kürbisprodukt ist!

 

 

Quelle: Prof. Herwig Teppner, Inst. Botanik Uni Graz „Notizen zur Geschichte des Kürbisses“ 1999

Hieronymus Bock, Kreutrebuch, Strasburg 1546

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